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16.10.2018
*** P R E M I E R E *** Kopierwerk (Koproduktion) – shame shame but different

Am Donnerstag, den 18. Oktober 2018 war die Premiere der ersten Inszenierung des Kopierwerks. Produziert wurde sie vom AGORA Theater und dem Kom’ma Theater. Sie war im Rahmen des TheaterFestes im Triangel in St. Vith zu sehen.

Man kann es kaum ertragen! Wir werden belogen - schamlos belogen!

Das Kopierwerk ist eine Gruppe junger Männer und Frauen, die den größten Teil ihrer Jugend auf der Probebühne verbracht haben. Sie alle stehen entweder am Ende oder kurz nach Abschluss ihres Studiums. Geleinsam ist ihnen das Interesse an gesellschaftlichen Themen und der Bühne. In dieser Inszenierung verhandelt das Kopierwerk die Scham, jeder kennt sie - sie ist so alt, wie die Menschheit selbst.

Schon in der Bibel wird der Scham eine zentrale Rolle gewidmet. Erst stopfen sich Adam und Eva Äpfel in den Hals, dann wickeln sie sich plötzlich Blätter um. Sie schämen sich - vor ihrem eigenen Vater.
Konservative sprechen von schamlosen Zeiten, in denen wir leben, sie wünschen sich die alte Pietät zurück. Tatsächlich kam es in den 60er Jahren zu einem Wandel. Der selbstbewusste Mensch rückte in den Fokus und erklärte, der Mensch brauche sich nicht zu schämen. Und dennoch tun wir es - alle!

Es gibt kaum ein dringenderes Problem als Schamlosigkeit - die Kehrseite unserer Leistungsgesellschaft. Die Forderungen nach dem emanzipierten, selbstbewussten Menschen kann niemand vollständig erfüllen. So dient die Scham als Voraussetzung zum machtpolitischen Instrument, sie ist es, die als Kontrollprozess missbraucht werden kann und wird.

Die eine hat Cellulite, der andere kommt zu früh. Er schwitzt. Ihre Mutter trinkt. Sie will einfach gesehen werden. Sie alle wollen gesehen werden. Wollen ins rechte Licht gerückt werden - auf der Bühne.

Schämen Sie sich! Ich bin ein Schauspieler!
Schämen Sie sich! Ich bin ein Zuschauer!
Schämen Sie sich! Ich bin im Theater!

Wenn eine Figur auf die Bühne geht, ist sie dann geschützt vor dem Urteil des anderen? Schämt sich die Figur oder der Zuschauer? Schämt sich die Figur über den Zuschauer? Und überhaupt: Gibt es ein „Ich" im Theater?

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