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04.03.2010
Marcel Cremer (4.6.1955 - 20.12.2009)

Theatermensch, Autor, Regisseur, Begründer und Künstlerischer Leiter des AGORA Theaters

Sein Studium der Niederlandistik, Germanistik und Theaterwissenschaft an der Lütticher Universität schloss Marcel Cremer mit einer Arbeit über den deutschen Dramatiker und Regisseur Heiner Müller erfolgreich ab. Während seiner Studienzeit war er als Schauspieler und Regisseur im politisch engagierten Studententheater um Robert Germay aktiv.

Im August 1980 gründete Marcel Cremer mit 30 jungen Menschen auf einem verwahrlosten Fußballplatz in Sankt Vith sein eigenes Ensemble. Aus dem wuchs unter seiner künstlerischen Leitung und Regie das AGORA Theater. Sankt Vith ist eine Stadt in der belgischen Eifel und liegt im Dreiländereck Belgien/Deutschland/Luxemburg. Die Gegend und die Stadt selbst waren im Laufe der Geschichte wiederholt Schlachtfeld. Sankt Vith wurde Weihnachten 1944 von Bomben vollkommen zerstört. Die Gegend wechselte häufig ihre Nationalität.

Die Inszenierungen Marcel Cremers tragen die Spuren dieser Geschichte und zeigen die Suche nach Identität. Das Ensemble gastiert in ganz Europa in deutscher, französischer und niederländischer Sprache. Innerhalb von 30 Jahren sind 36 Stücke unter der Regie von Marcel Cremer entstanden. 
Er war Autor und Co-Autor von 20 Bühnenstücken und Verfasser von zahlreichen theatertheoretischen Texten.

Als Dozent und Referent im Bereich der Theaterpädagogik hat Marcel Cremer unzählige Theaterworkshops im In- und Ausland geleitet.
Als Begründer und künstlerischer Leiter des "Internationalen TheaterFest" Belgiens hat er seit 1986 einen Austausch der internationalen freien Theaterszene ermöglicht und gefördert.
Marcel Cremer arbeitete als Gastregisseur an diversen Theatern in Deutschland.
National wie international wurde er für seine Arbeit als Regisseur und Autor vielfach ausgezeichnet.
Er war Sonderbeauftragter der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens im Bereich Theater.

Marcel Cremer verstarb am 20. Dezember 2009 in Köln.

 

 

Das Autobiographische Theater

Seit der Gründung des Theaters entwickelte Marcel Cremer mit der AGORA, bei Gastinszenierungen, bei nationalen und internationalen Workshops die Methode des "Autobiographischen Theaters" kontinuierlich weiter. Sie fußt auf der Tatsache, dass der größte Reichtum eines Menschen seine Biographie, sein Erfahrungsschatz und seine Geschichten sind. Sie hat als wichtigstes Ziel die Begegnung zwischen Spieler und Zuschauer. Sein 2006 erschienenes Buch "Der unsichtbare Zuschauer" ist ein wichtiges Zeugnis seiner Arbeit als Theaterschaffender. Am 26. Februar 2010 erhielt Marcel Cremer posthum den Parlamentspreis 2009 im Bereich Literatur für sein Werk „Der unsichtbare Zuschauer".

Marcel Cremer schreibt: "[...] Dieses Buch interessiert sich für die Orte und Begegnungen an den Orten jenseits des Theaters. Es erkundigt sich nach der Theatralität an den Orten des Lebens. Es erzählt von den Orten der Kindheit. Es wandert mit dem Leser an die Orte, an denen ich mit den AGORA-Menschen geprobt habe. [...] Es beschreibt, mit welchen Menschen ich während 25 Jahre zu diesen Orten unterwegs war, und es beschreibt, welchen Menschen wir dort begegnet sind. Es erzählt, mit welchen Menschen wir uns treffen an jenem Ort, der Theater heißt, aber das Leben meint."

 

 

Inszenierungen mit dem AGORA Theater

Die Ermittlung, Martha, die letzte Wandertaube, Soldaten, Baal, Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Aquarium, K, Der Zauberpinsel, Algunas Bestias, Schnarchen Steine nachts, Jubiläum, Schräge Vögel, Kolibris im Kopf, VW, Der stumme See, Le lac muet, Irgendwo, Quelque Part, Der weiße Dampfer (Le Blanc navire), Pilgrims, Wolkenschaf und Regenhund, Ö et NOUS, Mai 1917, Woyzeck, Prinzessin Bammel (Princesse Trouillette, Princess Jitters), Romeo und Juliet, Die Kartoffelsuppe (La soupe à la patate), Der kleine rote Prinz (Le petit prince écarlate) Der Mann, der die Bäume pflanzte (L'homme qui plantait les arbres), Die Rabenfrau (La femme corbeau), Rabennacht (La nuit des corbeaux), Das schwimmende Nest (Le nid flottant), Mein erster Lehrer (Mon premier instituteur), Die Kreuzritter (Les Croisés), Das Pferd aus Blau (Le cheval de bleu), Der gute Hirte (Le bon berger), Wanted HAMLET, Deux ennemis inséparables, Der König ohne Reich (Le roi sans royaume)


Gastinszenierungen

Odysseus und die Speismaschine (Zeno-Theater Köln), Das Wasserkind (Theater Marabu Bonn), Besuch bei Katt und Fredda (Comedia Colonia Köln), Menschenskinder (Theater Schräglage Stuttgart), Strandläufer (Theater Grüne Sosse Frankfurt), Tausche Klarinette (Theater Marabu Bonn), Zwei unzertrennliche Feinde (Theater Marabu Bonn), Ikarus oder der Traum vom Fliegen (Comedia Colonia Köln), Die Versunkene Stadt (Reibekuchentheater Duisburg), Das große Heft (Theaterhaus Frankfurt), Die Haifischkatze (Theater Marabu Bonn), Don Quichote (Theater Grüne Sosse Frankfurt)


Preise und Internationale Festivals [unter anderem]

Kölner Theaterpreis; Theaterpreis der Stadt Göppingen; Marburger Kinder- und Jugendtheaterpreis; Preis für Orginalität, Hauptpreis der Presse, den Preis der Jury und den Preis der Stadt Huy auf dem bedeutendstes und größtes Kinder- und Jugendtheater-festival Belgiens in Huy für die Produktionen „der kleine rote Prinz/ Le petit prince écarlate“, „Die Kreuzritter/Les Croisés“, „Das Pferd aus Blau/ Le cheval de bleu“, „Deux ennemis inséparables", "Der König ohne Reich/ Le roi sans royaume"; Auszeichnung auf dem Festival Traumspiele [Aufzeichnung von “Der kleine rote Prinz” durch das ZDF] Autorenpreis für Kinder und Jugendtheater 2007 im Rahmen des Deutsch-Niederländischen Kinder- und Jugendtheaterfestivals KAAS &KAPPES für das Stück „Das Pferd aus Blau“, AVIGNON: Im Juni 2006 gastierte die AGORA mit dem Stück „Die Kreuzritter“ auf dem Internationalen Festival in Avignon im Théâtre des Dom. Im Juli 2007 waren "Die Kreuzritter" dann zu Gast auf dem In-Festival in Avignon.

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